Wohnstätten für Flugakrobaten der Nacht

Fledermaus-Sommerquartiere in Brakel geschaffen

von Detlef Paul und David Singer

Zwergfledermaus / Foto: D. Singer
Zwergfledermaus / Foto: D. Singer

Mythos Fledermaus

 

Sie fliegen mit den Händen, sehen mit den Ohren und erwachen, wenn die meisten von uns schlafen gehen. Fledermäuse sind uns fremd, sie faszinieren und ängstigen uns zugleich. Daraus hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein Netz von Sagen, Mythen, Ängsten und Vorurteilen ergeben - die allerdings alle haltlos sind.

 

Fledermäuse sind die einzigen fliegenden Säugetiere, sie sind nicht angriffslustig und „trinken auch kein Menschenblut“! Sie sind friedliche Insektenfresser und haben es meistens auf Stechmücken abgesehen. Lediglich sehr wenige Arten in Südamerika "lecken" das austretende Blut von großen Säugetieren wie Rindern, jedoch auch dies in Mengen, die dem "Wirt" keineswegs schaden. 

 

Fledermauskästen in Brakel

 

Aufgrund von Fledermausbeobachtungen im Garten kam Detlef Paul die Idee den Tieren einige Sommerquartiere für ihre Kinderstube oder als Paarungs- und Übergangsquartiere im frühen Herbst anzubieten. Wegen der Gewässernähe wählte er den Brakeler Stadtwall und den Mühlenteich in Bellersen aus.

 

Für die Durchführung konnte er im Kolping-Berufsbildungswerk Brakel einige  Mitarbeiter seiner früheren Wirkungsstätte gewinnen. Herr Schmitz übernahm als Meister mit seinen Auszubildenden den Zuschnitt und die Fräsarbeiten der 20 Kästen in der Holzwerkstatt und Herr Striewe montierte und beschriftete die Kästen mit den Jugendlichen seiner „BOJ-Holz“- Klasse des Berufskollegs. Den Bauplan für die Fledermauskästen finden Sie unten zum Download!

Übersichtskarte der Fledermauskästen am Wall
Übersichtskarte der Fledermauskästen am Wall

Die Maßnahme wurde von Bürgermeister Temme nicht nur begrüßt, sondern auch mit der Zusage einer Kostenbeteiligung unterstützt. Zwei Mitarbeiter des städtischen Bauhofes übernahmen die Anbringung von 12 der „Sommerwohnungen“ am Brakeler Stadtwall. Die weiteren 8 Kästen werden durch die Feuerwehr Bellersen angebracht werden. 

 

Durch diese gelungene Gemeinschaftsaktion wurde nicht nur in Sachen Naturschutz ein positives Zeichen gesetzt, sondern den Jugendlichen auch positive Werte vermittelt: „Wer selbst  Nistkästen baut, wird in Zukunft rücksichtsvoll mit der Natur umgehen.“ 

 

Die Kästen werden zukünftig auf sich einstellende Bewohner geprüft, wobei die Erstbesiedlung einige Jahre dauern kann. Aufgrund der insektenreichen Lebensräume stehen die Chancen jedoch nicht schlecht. Eine erste Begehung mit einem Fledermausdetektor durch David Singer am Wall in Brakel Ende August 2014 zeigte, dass mehrere verschiedene Fledermausarten dort ihr Jagdhabitat haben: Großer Abendsegler, Zwergfledermaus und Wasserfledermaus konnten den Rufen zugeordnet werden. Von 2-3 weiteren Arten konnten Rufe festgestellt, jedoch die Artzugehörigkeit nicht ermittelt werden.

 


Nahrungs- und Quartiermangel

 

Unter dem Wandel unserer einst reicher strukturierten Kulturlandschaft haben auch die vielen unterschiedlichen Fledermausarten zu leiden, die man im Sommer in der Dämmerung bei ihrer Jagd beobachten kann. Agrar-Monokulturen mit Insektizideinsatz und artenarme, eutrophierte Grünlandflächen haben in den letzten Jahren die Insektendiversität und auch die Insektenmasse enorm sinken lassen.

Zweifarbfledermaus / Foto: D. Singer
Zweifarbfledermaus / Foto: D. Singer

Der Entomologische Verein Krefeld stellte dazu Untersuchungen an und fand heraus, dass in einem Naturschutzgebiet die Biomasse der Insekten von 1989 bis 2013 um 75% gesunken ist! Die Ursachen wurden in diesem Fall nicht erforscht. "Hinsichtlich der Wirkungen ist jedoch anzunehmen, dass die oben beschriebene Reduktion der Biomassen flugaktiver Insekten in dieser Größenordnung auch

gravierende Folgen für die lokale Biodiversität, die Nahrungsnetze und essentielle Ökosystemfunktionen hat." (Sorg, M. et. al. (2013), S.5) 

 

Fledermäuse, als zumindest in unseren Breiten reine Insektenfresser, sind, wie auch viele Singvogelarten, direkt vom Insektenangebot abhängig. Die Insekten wiederum sind oft vom Angebot an Blütenpflanzen abhängig. Folglich besteht zwischen Pflanzen, Insekten und Fledermäusen eine ziemlich direkte und starke Abhängigkeit. 

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verfügbarkeit von Quartieren an Gebäuden, vor allem aber auch in alten Bäumen, wo die waldlebenden Fledermausarten hinter Rindenspalten, in Spechthöhlen oder sonstigen Faulstellen Quartier beziehen. Der Erhalt von diesen wertvollen Altbäumen und die Schaffung und Erhaltung von Quartieren an Gebäuden oder das Aufhängen von Fledermauskästen sichern den verschiedenen Fledermausarten ihre artspezifischen Wohnstätten.  

Ebenfalls wichtig sind Winterquartiere in Höhlen, Kellern oder Stollen. 

 

Als Hausbesitzer kann jeder dazu beitragen sein Haus "Fledermausfreundlich" zu gestalten. Die Kampagne des NABU NRW "Fledermausfreundliches Haus" zeichnet sogar Häuser und ihre Besitzer aus, die an ihrem Gebäude zum Fledermausschutz beitragen. Informationen dazu gibt es hier 

 

Download
Bauanleitung Fledermauskasten
INFO_Fledermauskasten-Bauanleitung.pdf
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Quelle: 

Sorg , M.; H. Schwan; W. Stenmans & A. Müller (2013): "Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013", in: Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld

Vol. 1 (2013), S. 1-5

 

siehe: http://www.bionomie.de/ento2/publikationen-frameset.htm